Ada-Lessing-Straße

  • Veröffentlicht am: 19. Mai 2021 - 17:09

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Ada Lessing Straße

Nach einem fast zweijährigen Verfahren hat der Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide am Donnerstag 29.04.2021 über den neuen Namen für die General-Wever-Straße beschlossen: künftig wird sie Ada-Lessing-Straße heißen. Die Grünen haben sich ausdrücklich für diesen Vorschlag stark gemacht, da er eine Würdigung einer bedeutenden Kommunalpolitikerin mit hannoverschen Wurzeln bedeutet, deren Name nach Auflösung der Ada-Lessing-Schule in Bothfeld aus dem Stadtbezirk verschwunden war. Dem Votum haben sich alle Parteien im Bezirksrat angeschlossen, außer der SPD, die sich auf den Namen Helmut Schmidt festgelegt hatte. Damit hielt sie sich selbst nicht an den Ratsbeschluss vom 9.12.1999, wonach Frauen vorrangig bei der Benennung zu berücksichtigen sind.

Der Stadtbezirksrat hatte sich für die Neubenennung ein Beteiligungsverfahren vorgenommen, welches pandemiebedingt dann jedoch ohne die geplante Informationsveranstaltung vor Ort auskommen musste. Auch eine digitale Veranstaltung fand schließlich aufgrund des mangelnden Interesses der Anlieger*innen nicht statt. Stattdessen wurden im gesamten Stadtbezirk aufgerufen, Namensvorschläge einzusenden, woraufhin auch 127 Ideen eingingen. Die Fraktionen des Stadtbezirksrats einigten sich auf eine Auswahl von 6 potentiellen Namen aus den eingereichten Vorschlägen. Diese wurden in einer durch die Kommunalgesetzgebung vorgegebenen Anhörung der Betroffenen schließlich noch einmal den Anlieger*innen zur Stellungnahme vorgelegt.

Im Stadtbezirksrat gab es in der Bezirksratssitzung am 29.04.2021 eine Diskussion um den Stellenwert dieser „Bürgerbeteiligung“, bei der von der SPD der Eindruck erweckt wurde, als sei die Straßenumbenennung nahezu alleine eine Entscheidung der unmittelbaren Anlieger*innen. Nur ein geringer Teil von ihnen gab ein Votum zur Namensgebung ab (von über 800 Anlieger*innen äußerten sich 108, davon 59 für Helmut-Schmidt-Straße, 39 für Ada-Lessing-Straße). Selbstverständlich gehört dieses Votum der unmittelbaren Anlieger*innen gehört, man muss dieses quantitativ jedoch ins Verhältnis setzen zu den über 50.000 Einwohner*innen des gesamten Stadtbezirks Bothfeld-Vahrenheide. Und so ist es gut, dass die Entscheidung über den neuen Straßennamen dieser als übergeordnete Verkehrsachse bekannten Straße der freien Meinungsbildung des Stadtbezirksrats unterliegt. Dieser ist aus einer demokratischen Wahl hervorgegangen, an der sich eine große Mehrheit der über 50.000 Einwohner*innen beteiligt hat.

Das inzwischen vorgebrachte Argument, eine Straßenbenennung nach Ada Lessing müsse dem Stadtteil Anderten vorbehalten bleiben, verkennt den Lebensweg von Ada Lessing, die in der hannoverschen Südstadt und in Waldheim-Bischofshol aufgewachsen ist, mit ihrem ersten Mann in Bemerode gewohnt hat und dann mit ihrem zweiten Ehemann Theodor Lessing bis zur Flucht vor den Nazis in Anderten gelebt hat. Zudem hat es in den letzten Jahrzehnten im Stadtbezirksrat Misburg-Anderten keinerlei Bestrebungen gegeben, Ada Lessing mit einem Straßennamen zu ehren, auch nicht seit bekannt ist, dass ihr Name für die ehemalige General-Wever-Straße in die enge Auswahl gekommen ist.

So können sich die Grünen in Bothfeld-Vahrenheide und alle Einwohner*innen des Stadtbezirks und Hannovers darüber freuen, dass eine bedeutende über 2 km lange Straße, die nicht nur für die angrenzenden Stadtteile Sahlkamp und Bothfeld von übergeordneter Bedeutung ist, künftig den Namen dieser bedeutenden Frau tragen wird.

Ada Lessing wurde 1883 in Hannover geboren, war Journalistin und engagierte sich mit Kriegsbeginn ab 1914 für die Rechte der Frauen sowie in der SPD. Als Mitbegründerin und erste Geschäftsführerin der später nach ihr und ihrem ermordeten Ehemann benannten Ada- und Theodor-Lessing-Volkshochschule gilt sie als eine Pionierin der deutschen Erwachsenenbildung.